Äußerste E Motionen – Die Raritäten der Aale (Eels)
Wer den Namen Eels und die dazugehörige Musik noch nie vernommen hat, darf sich jetzt gleich hier in Grund und Boden schämen. Kaum eine Band hat in der letzten Dekade in Independent- und Kritiker-Kreisen so viel Reputation erworben und so reichlich einstimmige Lobeshymnen eingeheimst wie die Kompositionen von Mark Oliver Everett Everett, kurz E.
VIDEO EELS – Novocaine for the soul
Ein von Tod und Tragik umgebener Mann, der sich über die Verluste in seinem Leben offenbar nur mit der therapeutischen Wirkung von Musik retten konnte. Dem Tod des Vaters in den 80ern, einem anerkannten Quantenphysiker, folgte der Suizid der Schwester und dann auch noch der Krebstod der Mutter.
E schien das Unheil magnetisch anzuziehen und schaffte sich als Trutzburg einen ganz eigenen musikalischen Kosmos, in dem sich erstaunlicherweise alles Schwere in eine bizarre Leichtigkeit auflöst. Das Depressive, Leidvolle erfährt in dieser Musik eine Metamorphose ins gebrochen Melodische, die beinahe grotesk anmutet. Fast als würde E seine Lieder und Fragmente mit Stimmen aus dem Jenseits vortragen. Das ist aber nie unheimlich wie eine Seance, sondern überraschend diesseitig und bei aller latenten Versponnenheit sehr geerdet.
Ein “Beautiful freak” ist E, einer der “Not ready yet” am laufenden Band “Novocaine for the soul” produziert für “My beloved monster” und “Your lucky day in hell.” Diese Songtitel des Eels-Erstlings sind vortreffliche Charakterisierungen dessen, was sich in diesem Universum der vielen Schatten und wenigen hoffnungsvoll aufblitzenden Lichtreflexe abspielt. Schwarze Löcher voller Protuberanzen.
Ein schöpferischer Akt, in dem psychotische Songs mit Halluzinations-Wirkung entstehen, so schillernd und empfindlich wie Seifenblasen, die dem Mund eines Kindes entstammen. Das ist das eigentlich wundersame Wunderbare an der Musik der Eels, dass es E angesichts all der Morbidität um ihn herum gelingt, so zarte, zerbrechliche Lieder zu schreiben, die fast ohne Zorn auskommen und an der Verzweiflung so sicher entlang balancieren wie ein versierter Hochseilartist.
Überhaupt hat das alles irgendwie tatsächlich mit einem Rückzug ins Naive, Infantile (und das ist nicht als negative Einschätzung und Bewertung gemeint) zu tun, wie ein inneres Schutzbedürfnis der Eelschen Seele nach familiärer Geborgenheit, in das Behütetsein eines Kleinkindes.
So sind diese Songs, wie kindliches Staunen und Wundern, wie das Anhimmeln eines Sternenmobilets über einer Säuglings-Wiege, die von Zauberhand sanft geschaukelt wird.
Diese ungewöhnliche Balance aus Fragilität und Stabilität kann man jetzt mit der Best of Sammlung “Meet the Eels” kennen lernen und somit bisher Versäumtes nachholen. Für die Fans und solche, die es nach dem ersten Treffen mit dem Besten der Gruppe unweigerlich werden, gibt es als Zugabe satte 50 Tracks Unveröffentlichtes, B-Seiten und Raritäten auf 2 CD´s plus einer DVD mit Live-Performances unter dem Titel “Useless trinkets,” was soviel wie unnütze Wertlosigkeiten bedeutet und E´s Sinn für eher unamerikanischen, aber sehr angelsächsischen Humor, Selbstironie und Understatement unterstreicht.
Also liebe große Kinder, beschert Euch doch dieses Jahr schon mal im März und packt etwas aus, zu dem ihr Euch ganz friedlich in den Schlaf wiegen könnt.
Die Welt ist eine Spieluhr und E stanzt beharrlich Melodienlöcher in die Walze, damit ihr euch vor nichts Bösem fürchten müsst .


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Beth Ditto macht uns die Madonna
Nachricht aus dem Norden

















