Musik - 04.03.08 -

Die neun Leben des Steve Winwood auf einer neuen CD

Am 12. Mai 2008 feiert Steve Winwood seinen 60. Geburtstag und frühzeitig beschenkt er sich selbst und seine Fans mit einem neuen Album, dem ersten seit 5 Jahren. “Nine lives” wird die Platte sinnigerweise heißen, ist sie doch das offiziell 9. Soloalbum des britischen Sängers und Multi-Instrumentalisten, der bereits als 15-Jähriger seinen ersten Hit mit der Spencer Davis Group landete. Den Evergreen “Keep on running.” Ein langes Musikerleben eben.

“Dirty city,” die erste Single-Auskopplung aus der neuen CD ist eine Koproduktion mit dem “God” der Bluesgitarre Eric Clapton, einem alten Winwood-Buddy aus gemeinsamen Blind-Faith-Tagen. Beim ersten Reinhören sind all die Ingredienzen aus der gehaltvollen Winwood-Küche da, die Ohrenfeinverkoster wie meinereiner seit Jahr und Tag schätzen. Satter Sound, in dem saftiges Gitarrenfleisch, brodelne Hammond-Orgelbrocken, scharfe Percussion-Prisen und Winwoods glühendes Bluesfalsett zusammengemischt sind wie bei einer gut gewürzten Gumbo.

Bleibt zu wünschen, dass die eher stille und bescheidene Musikerlegende für das neue Opus mehr öffentlichen Zuspruch erfährt als beim letzten Werk “About time,” das weit weniger Aufmerksamkeit fand als es verdient hätte. Denn der scheue Steve Winwood erwies sich auch bei dieser Veröffentlichung von 2003 als musikalischer Qualitätsgarant, der seit seinen Anfängen in den 60ern wenige, dafür aber stets höchst lobenswerte Lebenszeichen seines Talentes in die Welt sandte. Auf About time fanden sich einige Hochkaräter seiner sehr markanten, eigenständigen Musikmelange aus Blues, Soul, Latin- und Karibikeinflüssen.

Mit dem von Santana-Gitarrensound geprägten Zigeunerbluesrock “Cigano”, dem relaxten Reggae-Feeling von “Take it to the final hour”, der stimmigen Adaption des Timmy-Thomas-Klassikers “Why can´t we live together”, dem funkigen Groove von “Now that you´re alive” und dem sphärischen, romantischen “Horizon” gelangen Winwood stilreiche und stilsichere Highlights seiner Pop-Karriere, bei denen er ausnahmsweise auf die Dienste seines langjährigen musikalischen Freundes und Wegbegleiters Jim Capaldi am Schlagzeug verzichtete, der vor drei Jahren in London an Magenkrebs starb. An den ehemaligen Traffic-Drummer sei an dieser Stelle erinnert, weil die Wiederbelebung dieser Rockband mit “Far from home” eine ähnliche groovige Platte mit einigen Ohrwürmern zutage förderte und auch auf den Solowerken von Capaldi einige bemerkenswerte Songs in Zusammenarbeit mit Steve Winwood entstanden sind.

Jetzt aber volle Vorfreude auf die 9 Leben von Steve Winwood, ein Albumtitel übrigens, der seinerzeit auch die zweite Karriere der Rock-Dinosaurier von Aerosmith mit angeschoben hat. Nehmen wir das mal als gutes omen.



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