Die Shamanin der Percussion – Das “Elixir” der Marilyn Mazur.
Am 25. Januar erscheint eine Jazz-Delikatesse aus dem wohlfeinen Hause ECM in München, die von der Riege der eingefleischten Kopf-Hörer mit ausgesprochenem Genuss delektieren werden dürfte.
“Elixir” heißt das Album von Marilyn Mazur, die seit rund 20 Jahren zu den innovativsten und kreativsten Percussionistinnen der an großartigen Musikern nicht raren Jazz-Szene zählt.
Vielen Klangfanatikern ist die Tochter eines polnischen Vaters und einer afroamerikanischen Mutter vor allem durch ihre langjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit dem norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek bekannt, der zur Creme de la creme der zeitgenössischen Jazz-Musik gehört und immer wieder mit faszinierenden musikalischen Experimenten auf sich aufmerksam macht wie seinerzeit mit dem Album “Officium”, auf dem er expressive Saxonphonschleifen auf kongeniale Weise mit gregorianischen Gesängen zu verschmelzen wusste.
Oder mit dem Atem beraubenden, Weltklänge umspannenden “I took up the runes,” dass in der fünfteiligen halbstündigen Suite “Molde Canticle” einen Meilenstein des Grenz überschreitenden Jazz setzte. Ein Monolith von Schönklang.
Jan Garbarek, auf 11 Stücken von “Elixir” als Co-Autor beteiligt, bläst auch auf einigen der 21 Songs bzw. Songfragmente von Marilyn Mazur seine unvergleichlich lyrischen Saxophonlinien über die kunstvollen Schlag-Werke der gebürtigen New Yorkerin, die der ganzen Palette ihrer perkussiven Ausdrucksmöglichkeiten Ausdruck verleiht. Mazur, die 1985 bereits den Übervater des Jazz, Miles Davis, zu begeistern wusste und mehrmals mit ihm auf Tournee ging, ist wirklich ein klangliches Elixir gelungen, das sie als akustischen Zaubertrank in die auditive Hirnrinde von Intensiv-Hörern träufelt.
Jedes Stück zeugt von Mazur´s Fähigkeit, Klang buchstäblich zu malen, mit Tönen wie mit Farben zu jonglieren. Atmosphärische Dichte, stilistische Bandbreite und spielerische Leichtigkeit und Luftigkeit durchziehen diese “Klangbilder,” in denen die Perkussionistin ihre sämtlichen musikalischen Erfahrungen einfließen lässt. Man hört die Weltmusikerin, die fünf Jahre mit dem New Jungle Orchestra unterwegs war, die Verinnerlichung eines melodischen Feingefühls großer Jazzmusiker wie eben Miles Davis oder Gil Evans klingt ebenso durch wie das nordisch Mystische, das sie als Bandmitglied von Garbarek offensichtlich in sich aufgesogen hat. Wer diese beiden schon einmal live erlebt hat, weiß, wie stimmig das ineinander greift und nimmt die ausgiebigen Percussion-Solos von Mazur, für die Garbarek ihr stets Freiraum lässt, als staunenden Nachklang mit nach Hause.
Mazur, die über die Jahre Instrumente aus aller Herren Länder gesammelt und um sich versammelt hat, haucht diesen Schlagwerkzeugen liebevoll und leidenschaftlich ein Leben ein, das die Gehörgänge verzaubert und Klangräume voller Tiefe, Weite und Geheimnis öffnet.
Marilyn Mazur lässt ihre Hände nicht weniger als schamanische Tänze vollziehen, mit denen sie sich und ihre Zuhörer in Trance zu trommeln scheint. Bestes Beispiel dafür aus dem neuen Album ist der “Creature walk,” in dem tatsächlich nie zuvor gehörte Kreaturen durch den Dschungel des Gehörs zu schleichen scheinen. Und auch die übrigen Tracks vermitteln schon in den Namensgebungen der Titel, welche Naturvertrautheit, Spiritualität und nicht zuletzt Weltbürgerschaft hier von Mazur zusammengemischt wurde in diesem ganz originären Elixir.
Mystisch, Mythisch, Manisch, Magisch.
Tracklist
[1.] Clear 2:58
[2.] Pathway 2:53
[3.] Dunun Song 3:20
[4.] Joy Chant 3:08
[5.] Bell-Painting 0:54
[6.] Elixir 3:03
[7.] Orientales 2:59
[8.] Metal Dew 2:52
[9.] Mother Drum 2:36
[10.] Mountain Breath 1:15
[11.] Creature Walk 2:31
[12.] Spirit Of Air 1:08
[13.] Spirit Of Sun 1:55
[14.] Sheep Dream 1:38
[15.] Talking Wind 2:38
[16.] Totem Dance 3:13
[17.] The Siren In The Well 3:27
[18.] River 3:02
[19.] On The Move 2:24
[20.] Winter Wish 4:10
[21.] Clear Recycle 1:57

Hommage an die große Lyrikerin
Beth Ditto macht uns die Madonna
Nachricht aus dem Norden

















