Der Berliner Orpheus wird 65 – Glückwunsch Reinhard Mey
Er bemerkte als erster das Aussterben der Maikäfer und würdigte das grenzenlose Gefühl der Freiheit über den Wolken.
Mal nahm er gekonnt die Bürokratie per Antragsformular auf die Schippe, mal machte er augenzwinkernd den Gärtner zum Mörder und ein anderes Mal trieb er die Tücken der selbst erfüllenden Aberglaubens- Prophezeiung in Ankomme, Freitag den 13. auf die ironische Spitze.
Mit “Mein Söhne gebe ich nicht” hat er dem Kriegswahnsinn der Mächtigen auf eindrucksvolle Weise die Waffe des Wortes entgegengestreckt und in Ausnahmesongs wie “Allein” hat er die Wahrheit über die Kreuzwege des Lebens so philosophisch wie realistisch geschildert.
Er schrieb Liebeserklärungen an das italienische Restaurant um die Ecke, an die tiefer gelegte Rostlaube und an seinen Hund, er schenkte uns das ultimative wehmütige Abschiedslied “Gute Nacht Freunde” und reihenweise Kinderlieder, die zu den schönsten und berührendsten, weil fein beobachteten und tief erspürten gehören, die man sich nur denken kann. So wie die Gedanken über das “kleine Mädchen auf dem Schoß,” das ehe man es sich versieht, groß und flügge ist. Leise und weise Betrachtungen eines liebenden Vaters.
Reinhard Mey, der Liedermacher. Er ist seit über 40 Jahren für die deutsche Sprache, was Bob Dylan für die angelsächsische ist. Feingeistiger, tiefsinnigerer Poet, kritischer Beobachter und verbaler Karikaturist, Chronist auch der Veränderungen in der globalisierten Welt, die er in den Mikroskosmen der Alltäglichkeit ausmacht und filigran entlarvt.
Er ist Laudator der kleinen Schwächen und der großen Stärken, wie sie nur ein echter Humanist beschreiben kann. Er ist die warme, behutsame Stimme, die wie die feste Hand eines Freundes auf der Schulter ist, wie die schützende Hand, an der Kinder sicher ihren Weg machen können bis sie zu ihren eigenen aufbrechen.
Dieser Reinhard Mey ist mit dem schönen schlichten Klang seiner Gitarre und wohl gereimten Versen ausgezogen, seine Mitmenschen zu berühren und es ist ihm jedes Mal gelungen. Er stiftet Frieden, spendet Trost, befreit das Lachen, erzeugt Nachdenken, inspiriert zum respektvollen, toleranten Miteinander, zum Schutz der Schwachen in der Gesellschaft, weckt mitmenschliche Gefühle. Und in all seiner Ernsthaftigkeit bedeutet einem sein freundliches Lächeln, dass das Leben freudvoll gelebt und geliebt sein will.
Reinhard Mey angemessen zu würdigen, bräuchte ungleich mehr Zeilen. Auf besonders schöne und nachhaltige Weise hat das bereits Götz Alsmann im Vorwort zur 4-CD-Box “Über den Wolken” getan, die als repräsentativer Querschnitt des umfangreichen Mey-Werkes an dieser Stelle nachdrücklich empfohlen werden soll.
Am 21.Dezember wird Reinhard Mey 65.
Aufstehen! Verneigen! Gratulieren! Bedanken!
Discographie
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Ich wollte wie Orpheus singen Intercord 1967
Ankomme Freitag den 13. Intercord 1969
Aus meinem Tagebuch Intercord 1970
One Vote For Tomorrow Intercord 1970
Ich bin aus jenem Holze Intercord 1971
Mein Achtel Lorbeerblatt Intercord 1972
Wie vor Jahr und Tag Intercord 1974
Ikarus Intercord 1975
Menschenjunges Intercord 1977
Keine ruhige Minute Intercord 1979
Jahreszeiten Intercord 1980
Freundliche Gesichter Intercord 1981
Hergestellt in Berlin Intercord 01.04.1985
Die Zwölfte Intercord 01.12.1985
Alleingang Intercord 01.07.1986
Balladen Intercord 02.01.1988
Farben Intercord 01.04.1990
Volume 3 (Frederik Mey) Intercord 01.02.1992
Reinhard Frederik Mey (Vol. 2) (Frederik Mey) Intercord 01.02.1992
Alles geht! Intercord 01.03.1992
Reinhard Frederik Mey (Frederik Mey) Intercord 1992
Immer weiter Intercord 01.05.1994
Leuchtfeuer Intercord 09.05.1996
Flaschenpost Intercord 15.05.1998
Einhandsegler Electrola 05.05.2000
Rüm Hart Capitol 03.05.2002
Nanga Parbat Capitol 01.05.2004
Vol. 7: Douce France (Frederik Mey) Capitol 23.01.2006
Bunter Hund Electrola 04.05.2007


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