Musik - 30.11.07 -

Underworld melden sich zurück

Born Slippy” ist der wohl berühmteste Track von Underworld. In den 90er-Jahren erklang er im Kultfilm “Trainspotting“, drei Jahre später erschien das Werk “A Hundred Days Of” – aber seithergab es fünfeinhalb Jahre lang kein “echtes” Studioalbum mehr.

Oblivion with Bells

Zwar wuselten Underworld inzwischen als Duo Karl Hyde und Rick Smith im Soundtrackgenre (“Sunshine”, “Breaking And Entering”), veröffentlichten eine Anthologie ihrer Werke von 1992 bis 2002, sammelten digitale Schätzchen, absolvierten Gigs im Web-TV und traten natürlich auch live auf, aber ins Studio schafften sie es erst jetzt. Das Ergebnis: “Oblivion With Bells“.

Dabei haben sie ein sicheres Rezept: “Es ist ganz einfach: Produziere im Studio deinen Track, geh’ damit in den Club, leg’ ihn auf, und du bekommst sofort eine Reaktion – er funktioniert oder er funktioniert nicht!” erklären Underworld die Auswahl der Stücke.

Diese reichen diesmal – unter Beimischung von besonders stark an Brian Eno und Jeff Lynne orientierten Klängen – von ambienten, ruhigen Soundteppichen, die sich eindeutig in der Überzahl finden, bis hin zu knatterten Rhythmen, TripHop, 80er-Miami-Vice-Sounds und dubbigen Blubber-Tracks mit housy Elementen. Psychedelische Spoken-Word-Ausflüge à la “Born Slippy” finden sich mit dem garagigen “Ring Road” und “Holding The Moth” (ziemlich scharfer Track) ebenso auf dem Album wie Esoterikwabern, zum Beispiel “To Heal” – ein astreiner Meditationsausklang nach einer VHS-Yogastunde. Eigentümlich geriert sich weiterhin “Cuddle Bunny Vs Celtic Villages” – reines Geräusch ohne erkennbaren Sinn! Dieses sollte wohl den Part “übliche Kuriositäten” abdecken, die Underworld gerne mal zwischendurch aufs Album packen.

Auch das sanfte “Good Morning Cockerel“, ein fast lieblicher Song mit akustischem Piano mit Phil-Glass-Charme, und das lange, extrem meditative “Best Mamgu Ever” bewegen sich vom früheren Konzept, Techno und Songstruktur zu mischen, eher weg. Underworld bleiben dem von ihnen bereits fruchtbar beackerten Feld treu, wenn auch langsamer, ohne sich allzu böse zu wiederholen. Ob sich die Berechenbarkeit, vermischt mit dem ausgebremsten Tempo, auszahlt, oder ob der Fan doch noch mehr verrückte Neuigkeiten und versponnene Feinheiten gewünscht hätte, wird sich zeigen müssen.



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