TV - 30.11.07 -

Hauptsache anders: Was ist hip?

Cool war mal, heute ist man HIP. In. It! Bedeutet in erster Linie: Man ist anders als der Rest, der Mainstream, der Klamotten von der Stange kauft, die Charts hört oder elektronische Geräte besitzt, die nicht von Apple stammen.

Gothic-Dandy Marilyn Manson weiß, wie man aus der Masse herausragt. Foto: Arte

Aber wer entscheidet eigentlich, was in ist und was nicht? Wer sind die wahren Trendsetter, Mover und Shaker? Und was sind eigentlich Bobos? Fragen über Fragen, die ARTE allesamt in seinem Themenabend “Hip-Sein ist alles” beantworten will.

Der Begriff "Hip" stammt aus der Sprache des Jazz. Foto: arte

Vor allem die Dokumentation “Hip Story” (22.15 Uhr) zeichnet die Entwicklung des “In-Seins” nach. Als Wegbegleiter bei dieser Reise, an deren Anfang der Zweite Weltkrieg steht und am Ende Paris Hilton wartet, fungiert der amerikanische Kulturkritiker und Buchautor Greil Marcus (“Lipstick Traces”).

Anhand kurzer Porträts von Bad Boys und Bohemians, Dandys und Rock Stars will er klären, ob Menschen wie Babyshambles-Frontmann und Drogensorgenwunderkind Pete Doherty einen sechsten Sinn für das Anderssein haben, um aus der Masse herauszuragen – und wie sie diesen nutzen, um ihren Marktwert zu steigern.

Vermutlich Kunst ... Foto: Arte

Vornehmlich ums Geld geht’s auch in der Doku “Das Geschäft mit dem Trend” (23.10 Uhr). Sie beschreibt, wie die New Economy der 90er-Jahre einen völlig neuen Typus von Konsument hervorbrachte: den Bobo. David Brooks, Kolumnist der “New York Times”, schuf diesen Begriff, der sich aus den Wörtern “bourgeois” und “bohemian” zusammensetzt.

Gemeint sind Konservative in Jeans, Menschen, die “das Denken der Hippies und den unternehmerischen Geist der Yuppies” besitzen, in durchgestylten Wohnungen leben und durch ihren Wunsch nach Einzigartigkeit und entsprechend einzigartigen Konsumartikeln einen eigenen Lebensstil kreierten, der dennoch konform ist.

Die britische New Rave-Band The Klaxons ist angesagt. Foto: Arte

Wie die Lifestyle-Industrie diesen Gegensatz von Reichtum und Rebellion umsetzt, wie der Mainstream das System übernahm und welche anderen Mechanismen hier greifen, zeigt der Film von Stephane Werner auf recht kurzweilige Weise und lässt dabei allerlei Lifestyle-Gurus wie den Diesel-Gründer Renzo Rosso zu Wort kommen. (tsch)



Kommentar schreiben