Film, Stars - 17.11.07 -

Filmkritik: Machtlos

“Amerika foltert nicht!” – Nein, von Folter ist nicht die Rede, wenn es um die Verhörmethoden der CIA geht. Die US-Regierung spricht lieber von “aggressiven Methoden”. Auch der Begriff der “außerordentlichen Auslieferung” ist einer dieser recht nichtssagenden Euphemismen. “Überstellung in die Rechtlosigkeit” lässt da schon eher Vermutungen zu.

© 2007 Warner Bros. Machtlos - Anwar El-Ibrahims (Omar Metwally) ist Opfer der "extraordinary rendition"

Genau genommen erlaubt die “extraordinary rendition” der US-Regierung, Nicht-Amerikaner, die als Bedrohung für die nationale Sicherheit gelten, zu entführen und in geheimen Gefängnissen außerhalb der Staaten zu verhören – auch mit jenen “aggressiven Methoden”. Im Original lautet der Titel zu Gavin Hoods Politthriller, der eben jene Vorgehensweise publik macht, “Rendition“. Die deutsche Übersetzung “Machtlos” trifft den Kern ebenfalls. Gavin Hood beschreibt die Machtlosigkeit der Angehörigen, die völlig rat- und hilflos angesichts des plötzlichen Verschwindens des Familienmitglieds sind.

© 2007 Warner Bros. Ent. Anwars Leben liegt in den Händen der CIA-Anti-Terror-Chefin Corrine Whitman (Meryl Streep) und des Senators Hawkins (Alan Arkin).

Isabella Fields El-Ibrahim (Oscar-Preisträgerin Reese Witherspoon) will sich nicht mit dieser Ahnungslosigkeit abfinden. Nachdem ihr Mann nicht von einer Geschäftsreise aus Südafrika zurückkehrt, wendet sie sich an einen alten Freund vom College (Peter Sarsgaard), der inzwischen für den Senator (Oscar-Preisträger Alan Arkin) arbeitet. Mithilfe seiner politischen Beziehungen hofft Isabella ihren Mann zu finden.

Anwar El-Ibrahims (Omar Metwally) Spuren lassen sich bis nach Johannesburg verfolgen, wo er das Flugzeug nach Hause bestiegen hat. Doch Anwar soll es nie verlassen haben. Der gebürtige Ägypter wird von der Homeland Security unter Terrorverdacht gestellt. Anwar wurde auf seiner Reise von Polizeibeamten abgegriffen und im Auftrag der Chefin der CIA-Anti-Terror-Einheit Corrine Whitman (die zweifache Oscar-Preisträgerin Meryl Streep in einer ungewohnt harten Rolle) in ein Land der dritten Welt verschleppt. Unter der Aufsicht des jungen CIA-Analysten Douglas Freeman (Jake Gyllenhaal) wird Anwar gefoltert. Angesichts der Brutalität regen sich in Douglas jedoch zunehmend Zweifel.

© 2007 Warner Bros. Ent. Isabella Fields El-Ibrahim (Reese Witherspoon) sucht nach ihrem Mann.

Darf gefoltert werden, um dadurch wichtige Informationen zu erhalten, die womöglich Furchtbares abwenden können? Wie viel wiegt ein Menschenleben im Gegensatz zu dem Tausend anderer? Diese hochbrisanten Fragen stellt Gavin Hood in seinem hochspannend inszenierten, hervorragend besetzten Thriller, ohne konkrete Antworten zu liefern. Auch verzichtete der Regisseur auf den moralisch erhobenen Zeigefinger.

Gavin Hood macht es dem Publikum nicht einfach. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind schwer auszumachen. Die Waagschale von Recht und Unrecht kippt schon mal überraschend in eine völlig unerwartete Richtung. Ihm gelingt es, die nüchterne Betrachtung politischer Umstände mit einem berührenden Einzelschicksal zu einem intensiven Kinoerlebnis zu verknüpfen.(tsch)

Filmstart: 22.11.2007

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