Film - 08.11.07 -

Hinter den Kulissen von ABBITTE – “Ein Job mit der Abrissbirne”

Bereits während der Dreharbeiten zu “Stolz und Vorurteil” stellte Tim Bevan, Co-Geschäftsführer von Working Title, fest, dass Joe Wright zu den talentiertesten Regie-Newcomern gehört, denen er jemals begegnet war.

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Da Bevan sich dieses Talent nicht entgehen lassen wollte, begann er nach einem Stoff zu suchen, den Wright als nächstes verfilmen könnte. Da traf es sich gut, dass Ian McEwans Romanbestseller Abbitte von Richard Eyre und Robert Fox bei Working Title vorgelegt worden war und zur Verfilmung anstand.

Und eigentlich wollte Eyre selbst die Regie übernehmen. Doch während der Filmentwicklung gerieten Eyres vorab zugesagte Verpflichtungen bei anderen Projekten in den Vordergrund, so dass Eyre ganz gentlemenlike den Platz räumte und den Weg freimachte, damit Joe Wright die Regie übernehmen konnte.

Joe Wright bei den Dreharbeiten zu ABBITTE

Der besondere Reiz an der Leinwandadaption von Abbitte lag für Wright in der Erzählweise: berichtet wird aus der Sicht von Briony Tallis, in drei verschiedenen Schlüsselphasen ihres Lebens, und das versprach eine aufregende Herausforderung für einen Filmemacher wie ihn zu werden.

Wright meint dazu: “Diesen Roman auf die Leinwand zu bringen bedeutete, dass sich die Geschichte im Laufe der Arbeit offenbart. Wir hinterfragen die Erzählstrukturen, die Perspektiven, und wir hinterfragen die einzig wirkliche Wahrheit durch die Gegenüberstellung mit vielfältigen möglichen Wahrheiten.”

Abbitte © Universal Studios

Bei der Adaption arbeitete Wright intensiv mit Drehbuchautor Christopher Hampton zusammen: “Als mir das erste Drehbuch zugeschickt wurde, stellte ich fest, dass es sich ziemlich von der Romanvorlage entfernte. Ich fand den Roman brillant, deshalb haben Christopher und ich noch einmal von Null angefangen und uns so treu an den Roman gehalten wie nur möglich. Unsere Zusammenarbeit war sehr fließend und ganz wunderbar, ich habe sie wirklich genossen.

Alles war sehr aufregend und ist mir auch persönlich sehr nahe gegangen. Ich hatte das Gefühl, vollkommen in dem Roman und dem Drehbuch aufzugehen und jeden Moment darin gänzlich verstanden und erfasst zu haben – zumindest habe ich das versucht.” Und er fährt fort: ” Ein Buch ist eine Illusion, es besteht aus einer Reihe von Symbolen auf Papier, die im eigenen Geist eine Erzählung entstehen lassen. Es gibt von einem Buch genauso viele Versionen, wie es Leser hat. Ich habe aus diesem Buch die Adaption verwirklicht, die in meinem Kopf entstand, als ich den Roman las.”

Produzent Paul Webster meint: “Nachdem Joe mit an Bord war und mit Christopher zusam-menzuarbeiten begann, wurde das Drehbuch meiner Meinung nach reichhaltiger, vielschichti-ger, und er hat auch seine umfassende visuelle Phantasie mit einfließen lassen. Die Themen-kreise, die angesprochen werden, sind absolut universell und betreffen uns alle: das sexuelle Erwachen in der Jugend, die sich kreuzenden Schicksale, die Vorstellung, dass wenn man †šdoch bloß nach rechts statt nach links abgebogen wäre†™, das eigene Leben völlig anders hätte verlaufen können…”

Ian McEwan, dessen Werke schon früher für die Leinwand adaptiert wurden, wusste, dass dies im Fall von “Abbitte” kein leichtes Unterfangen sein würde. Er sagt: “Es ist wie ein Job mit der Abrissbirne. Man muss rund 130.000 Worte auf ein Drehbuch mit 20.000 Worten einkochen. Und in diesem besonderen Fall stellen sich für den Drehbuchautor größere Probleme, denn dieser Roman ist von einer intensiven Innenschau geprägt. Die Dinge spielen sich im Bewusstsein der verschiedenen Figuren ab. Meiner Meinung nach hat Christopher Hamp-ton einen klugen und intelligenten Kurs durch den Roman hindurch eingeschlagen.”

Christopher Hampton
gibt zu, dass die Adaption eines guten Romans weitaus schwieriger ist als die eines schlechten: “Meines Erachtens gehört “Abbitte” zu den besten Romanen der vergangenen 20 Jahre, und dieser Qualität gerecht zu werden bedeutet eine große Verantwortung.”

Abbitte © Universal Studios Keira Knightley im Interview über die gerechte Strafe für untreue Männer

Der Film ABBITTE ist zwar in der historischen Vergangenheit angesiedelt, besitzt aber eine zeitgenössische Dimension, denn er handelt von alltäglichen Erfahrungen, Beziehungen, Gefühlen und persönlichen Entscheidungen. Schon in “Stolz und Vorurteil” hatte Wright als Filmemacher gezeigt, dass er das Talent besitzt, Geschichten in einer solchen Weise zu inter-pretieren, dass das moderne Publikum in der Lage ist, über die im Film behandelten Orte und Epochen hinauszublicken. Christopher Hampton meint: “Meine Theorie ist folgende: Je akku-rater man eine bestimmte Epoche darstellt, desto deutlicher werden die modernen Aspekte daran sichtbar.”

“Der Kern dieser Geschichte scheint eine interessante Reise durch die großen Emotionen zu sein”, fasst Tim Bevan zusammen. “Wir alle müssen mit den Umständen leben, die sich aus jedem Zeitpunkt unseres Lebens ergeben können, und dieser Film führt uns das ganz deutlich vor Augen.”



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