Urlaub von Led Zeppelin: Robert Plant und Alison Krauss Duett-Projekt
Stimmiges Traumpaar – Plant und Krauss harmonieren
Dass man den provokanten Satz “Man sieht sich immer zwei mal im Leben” durchaus nicht nur als Drohung verstehen muss, sondern sogar als glückliche Fügung ansehen kann, beweist das Album “Raising sand”, das Robert Plant, lebende Led Zeppelin-Gesangslegende und Alison Krauss, ihres Zeichens 20fach Grammy ausgezeichnetes Bluegrass-Idol mit nicht weniger beseelter Stimme und Fiedel als Gemeinschaftswerk auf weltweite Hörreise geschickt haben.
Eine Duett-Begegnung der gehoben Art (die erste und Weg bereitende fand zu Beginn des Jahres bei einem gemeinsamen Beitrag zum “Tribute to Leadbelly”-Konzert statt), nicht nur was das erlesene Songmaterial von u.a. Gene Clark, Sam Philips, Tom Waits, Townes van Zandt, Naomi Neville bis hin zu einer Page/Plant-Komposition betrifft. Auch die spürbar werdende Intimität zweier zueinander findender Stimmen aus eigentlich gegensätzlichen musikalischen Welten ist bereits den Erwerb der Platte wert, die ein Musterbeispiel dafür ist, wie universal die Sprache Musik ist und wie sie es immer wieder vermag, etwas für alle Verständliche auszudrücken.
Kurzer Vorrede, langer Vermarktungssinn (obwohl ich wie immer nix davon habe außer Arbeit). Wer populäre Musik wirklich liebt, kommt an dieser Platte nicht vorbei, denn es ist eine der schönsten des bisherigen, nicht wenig ertragreichen Musikjahres. Schon der entspannte Einstieg mit “Rich woman”, seinem bluesy-lazy Gitarrentwang und der ineinander verwobenen Zweistimmigkeit der beiden Vokal-Stars lässt keinen Zweifel daran, dass hier ein Edelmetall-Werk entstanden ist.
13 Treffer in einem abwechslungsreichen Gemisch aus Blues, Folk und Country, wovon einige Titel herausragen, de hier als Anspieltipps unbedingt zu nennen sind. Das wie ein alter Gaul gemütlich dahertrottende “Sister Rosetta goes before us” mit stoischem Banjo und Fiddle singt Krauss in die himmlischen Höhen, von denen der Text geschickt ward, mit einem zurückhaltenden , aber warm klingenden Plant im Background.
Das unmittelbar darauf folgende “Polly come home” schanzt dann dem Zeppelin die Lead-Stimme zu, was er auf unaufdringliche und zarte Weise zu nutzen versteht, engelhaft flankiert von Krauss. Ein wunderschöner Slow-Song.
“Please read the letter” ist ein fast typischer Zeppelin-Titel, den Plant mit seinem kongenialen Partner Jimmy Page für das Album “Walking into Clarksdale” geschrieben hat und das es aus unerfindlichen Gründen nicht auf dieses Platte geschafft hat. Vielleicht weil es zu sehr Konkurrenz gewesen wäre für das grandiose “Heart in your hand” von selbigem Album, das zu den besten Balladen der beiden Luftschiffer gehört.
Hier beim weiblich-männlichen Duett ist dieser Brief allerdings in besten Stimmbändern aufgehoben und damit bestens rehabilitiert.
Über Songs von Tom Waits muss man Kennern eigentlich nichts mehr erzählen. Die sind oft klangliche Zaubereien, die etwas Schräges, Unheimliches mit sich durch die Gegend schleppen. Klappernde, rappelnde Etwas mit melancholischem Tiefgang, immer in der Nähe des Rinnsteins. “Trampled rose” hat all dies und Alison Krauss adelt diesen Titel und den musikalischen Genius des Komponisten und seiner Frau Kathleen Brennan als Texterin mit ihrer Hingabe an diese etwas verloren wirkende Melodie. Ein Ereignis, diese zertrampelte Rose.
Da denkt man, die Platte müsse nun eigentlich zu ende gehen, weil das unmöglich noch zu toppen ist und dann kommt der alte Haudegen Plant noch mal mit seinem ganzen Rocksänger-Charisma durch die Tür und singt noch einen drüber. Denn was der blonde Engel der Rockmusik (der im Fußball ist und bleibt Bernd Schuster) aus “Nothing´” rausholt, einem der vielen Songs, die immer wieder auf das segensreiche Potenzial des leider zu früh verloschenen Songwriter-Stern Townes van Zandt verweisen, geht unter die Haut und fesselt einen. Augen zu und fallen lassen, das ist ein Lied mit Sogwirkung, “Kashmir” auf ganz andere musikalische Weise mit perfekten Fiddle-Tupfern der Partnerin Krauss.
Damit knüpft Plant nahtlos an die Magie an, die er einigen Songs seiner letzten beiden Solo-Alben “Dreamland” und “Mighty ReArranger” verliehen hat. Man höre sich von letzterem nur das spukige “Tin pan alley” (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, von Stevie Ray Vaughan veredelten Blues-Evergreen) an und von ersterem das bis zur Unkenntlichkeit zerfaserte “Hey Joe” an, eine der inspiriertesten Coverversionen, die der Hendrix-Klassiker je erleben durfte.
Okay, zurück vom Solo-Stöckchen aufs Duo-Hölzchen Plant/Krauss, das sich auch beim Abschied von “Raising Sand” prächtig versteht.”Your long journey” ist ein liebenswert wohlklingender Ausstieg, der das Paar noch einmal in der Perfektion des Harmoniegesangs vereint. Ein Album für diese Jahreszeit und darüber hinaus. Marke Langzeitwirkung.
Und was nicht verschwiegen werden sollte, ist, dass Altmeister T-Bone Burnett die ganze musikalische Feinkost aufs Wesentliche reduziert und somit sehr wohltemperiert produziert hat. Treffen der Meister eben.
Sich selbst oder anderen schenken. Sofort.


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