Musik - 14.10.07 -

Milder wilder Westen – Two Gallants faszinieren mit “2GS” erneut

Ach, wenn Howard Hawks samt seiner “Rio Bravos” und “El Dorados” das noch erlebt hätte und wenn es “Spiel mir das Lied vom Tod” nicht schon gegeben hätte und wenn Clint Eastwood nicht mit “Erbarmungslos” schon den ultimativen filmischen Abgesang auf das amerikanische wilde westliche Heldentum geliefert hätte, alle wollten sie sofort das Genre wieder beleben, nur um die ebenso raubeinigen, hartkernig-weichschaligen Lieder-Charaktere in Zelluloid zu packen und die Geschichte vom Western neu zu schreiben.

Nach “What the toll tells”und “A scenery of farewell” beweisen die Two Gallants mit “2 GS” erneut, dass sie aus dem wilden einen milden Westen zu machen verstehen. Hier liegen sich Kuhjungen und Rothäute in den Armen und besiedeln das gleiche Land, denn niemand will Manitus Erde kaufen und darum es gibt auch keine Leichen am Ufer des Flusses zu begraben.

Die traurigen Geschichten und freudvollen Erinnerungen am Lagerfeuer brennen wie Rauch und Feuerwasser in den Augen. Musik gewordene Friedenspfeifen sind das, die meine Ohren liebend gerne wegrauchen.

Von den 9 tollen Songs gilt es nur einen beispielhaft herauszuheben, weil er für alle anderen steht. Bei “The hand that held me down” finden Adam Stephens und Tyson Vogel als einsame musikalische Streiter für Frieden und Vaterland in der Gestalt von Bob Dylan und Neil Young zusammen. Wehmütige Harmonika, verzerrte Gitarrenschleifen, schleppende Drums und die Seele zum wunden Hals raus singen; A shot of love trifft Cortez the killer und dann liegen sich beide in den Armen und begegnen sich versöhnt in einer Mischung aus “Like a rolling stone” und “Heart of gold.”

Pan-Americana, soweit die Ohren reichen. Selbst die Härchen in den Gehörgängen mutieren zu Kakteenstacheln und wedeln den Staub der ewigen Legenden auf, die uns der selige Karl May schon in die Kindheit geschrieben hat.

Winnetou und Old Shatterhand musizieren hier das Hohelied von Freundschaft und Blutsbrüderschaft, von Abschied und vom Kampf für Gerechtigkeit. Hier reimen sich noch Herz auf Schmerz und Abendrot auf Leben und Tod. Mein altes Indianerherz heult wie ein Coyote auf und lässt Tränen der Rührung als Rauchzeichen aufsteigen.
Manitu ist groß, das beweist die Platte, die er uns hier aus den ewigen Jagdgründen geschickt hat. Hugh!

Seelenverwandtschaften:
Murder by Death, Woven Hand, 16 Horsepower, The Gun Club, Jeffrey Lee Pierce, Soulsavers.



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