Musik - 03.09.07 -

Schamanin als Schwan – Siouxsie´s Rückkehr ohne Banshees

Sie galt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Punk-/Wave-Aera und man darf sie ohne Übertreibung als eine Wegbereiterin des Gothic-Kults bezeichnen: Siouxsie. Seinerzeit einschlägigen Musikkreisen besser bekannt mit dem Band-Anhängsel and the Banshees.

Zu verschrobenen Gitarrenriffs und kantigen, teilweise Rhythmen kieckste und kreischte und winselte Siouxsie stellenweise mehr als sie sang, wusste aber durch ihre sehr eigenständige und bizarre Mischung aus Sound-Dynamik, esoterisch angehauchter Mystik und einem Hang zum Okkulten zu faszinieren bis hin zu skurrilen Live-Performances.

So förderte sie als Hexe und Schamanin der Wave-Bewegung nicht wenige klangliche Edelsteine zu Tage, die ihr – auf mehrere Alben verteilt – Independent-Rum einbrachten, der bis zur Freundschaft und mehrmaligen Kollaberation mit Robert Smith von The Cure reichte, einem der Protagonisten der Szene, der Siouxsie nicht nur frisurentechnisch seelenverwandt war.

Mit Mantaray meldet sich Siouxsie jetzt solo zurück und die ersten Hörproben lassen ahnen, dass die zum schönen geheimnisvollen Schwan herangewachsene Sängerin noch den einen oder anderen Alt-Punker wieder in ihren Bann ziehen könnte. Es lohnt sich auf jeden Fall, mal in ihre früheren Werke wie A kiss in the dreamhouse, Nocturne, Hyena oder Peep show reinzuhören, wo gelegentlich echte kleine Genieblitze aufzucken. Songs wie Israel, Cascade oder Painted bird entfalten auch heute noch einen magischen Reiz, der vieles andere an aktuellen Veröffentlichungen in den düsteren Klangschatten zu stellen vermag.

Und Siouxsie´s sehr relaxte, eingängige Version von Iggy Pop´s The passenger von ihrem Cover-Album Through the looking glass ist auf gleicher Ohrenhöhe mit dem Original.

Über die offizielle Webseite der Dame flattern jedenfalls ein paar sehr bunte Schmetterlinge, die Indiz dafür sein könnten, dass die Metamorphose zur Neuzeit gelungen sein könnte. Mehr hören und wissen werden wir nach der Veröffentlichung des Albums am 10. September.

Seelenverwandtschaften:
Joy Division, The Cure, Japan, Sisters of Mercy, Simple Minds (Frühphase), Spear of Destiny, Philip Boa & The Voodooclub

Hörprobe: Siouxsie

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