Summer of Love und das Electric Chubbyland
Populärer als diesen Sommer kann das Fernsehprogramm eines Senders für Mittvierziger bis ins hohe Woodstocker-Alter kaum sein. Okay, arte ist Sparte! Na und!!!
Mit dem “Summer of love” feiert Arte den ganzen Sommer lang die Hippie-Psychedelia-Flower-Power-Lebens-und-Liebens-Art die vor 40 Jahren als eine der wenigen wahren Kulturrevolutionen förmlich explodierte wie die Prilblumen an den bundesdeutschen Küchenkacheln.
Eine Zeit voller Vibrationen, Inspirationen, Rebellionen, in der sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit seinen begrenzten Mitteln im unseligen Vietnam-Krieg und nicht weniger beschämenden Rassenunruhen herumschlug. Es war die Zeit, in der Einigkeit und Recht und Freiheit in Deutschland mit Füßen getreten, mit Knüppeln erschlagen und Kugeln hingerichtet wurde und Querdenker und Veränderungswillige wie Rudi Dutschke und Benno Ohnesorg bis in die Schläfenlappen ihres intellektuellen Revoluzzergeistes traf, ein späterer Obelix-Außenminister namens Joschka die nicht-olympische Disziplin des Hinkelsteine Werfens erfand, die Kommune 1 freizügigen Sex als Waffe gegen das Establishment proklamierte und nicht nur Uschi Obermaier wie selbstverständlich freier Körperkultur außerhalb eigens beschilderter Badezonen huldigte.
Der größte Skandal von allen: Alice Schwarzer zog am patriacharlischen Flaggenmast der Republik die Fahne des Frauenrechts hoch und rief das Recht der femininen Selbstbestimmung auf Tötung von ungeborenem Leben aus. Auch sie längst eine ziemlich zahnlose Papiertigerin, die zumindest noch ansatzweise streitbar die Talkshowpolstersessel der Republik durchsitzt wie unser Birnenkanzler bisweilen seinen Regierungssitz.
Vor allem aber war diese Zeit eben auch der Sommer der Liebe, dieser endlose pittoreske knallbunte All-you-need-is-Love-California-dreaming-Light-my-fire- In-a-gadda-da-vida-Lucy-in-the-sky-with-diamonds-I-Can´t-get-no-satisfaction-with-a-little-help-from-my-friends-until-the-end-when-the-music´s-over-LSD-Trip, der bis heute in alle Synapsen und Hormone Kultur interessierter Hirne und Freigeister wirkt.
Literatur, Mode, Kunst, Musik, alles und jedes wurde der Veränderung unterworfen, dem Entwurf einer farbenfrohen, friedlichen Welt inmitten grauer Tristesse und biederen Konservatismus. Ein Scheitern letztlich, das Deutschland beispielsweise gnadenlose Terrorakte politisch Enttäuschter und gesellschaftlich Unerhörter beschert hat, zumindest den Nährboden für Grün geschafft hat, die heute bereits aber schon zum konsensfähigen Schwarz mutiert sind, das ein alt
bekanntes Grau in unser Hier und Heute plakatiert.
Zeit vielleicht, mal wieder nackt oder in schillernden Farben auf die Straße zu gehen, sich zu zeigen und die auf kurz vor Zwölf stehenden Zeiger der Weltuhr anzuhalten und zur Besinnung zu kommen.
“I have a dream” zitiere ich n dieser Stelle mit Tränen in den Augen Martin Luther King und ich sehe die Kugel schon auf mich zuschnellen. Mitten in mein aufrührerisch gestimmtes Herz, das auf arte wenigstens bis August eine kurze Bleibe findet.
Wem arte und überhaupt alles zu schwer ist, aber dennoch den Anflug eines Musik verliebten Rebellen in sich spürt, kann sich auch ohne Sex und Drugs, aber nicht ohne Rock´n`Roll in diese Zeit zurückversetzen. Mit einer Power-Flower-CD der Neuzeit: Electric Chubbyland von Popa Chubby.
Ich bin sicher, der gute alte Jimi sitzt seit dem Erscheinen dieser liebevoll zugewandten und nicht sich eitel selbst verherrlichenden musikalischen Huldigung auf seiner Helden-Wolke, flattert aufgeregt mit seinen Little Wings, verneigt sich dankbar gen Electric Chubbyland, zieht sich einen Joint nach dem anderen ein und applaudiert gerührt den inspirierten Interpretationen seines grandiosen Musikerkollegen, der sich als wahre Inkarnation unser aller Lieblingsrocklegende erweist.
Popa Chubby haucht dem Songkatalog von Hendrix ein solch würdiges Leben, Neu-Erleben ein, dass regelrecht schmerzensreich hörbar und spürbar wird, was wir an Hendrix verloren haben. Die Lust und die Leidenschaft des Gitarrenspiels, das Temperament wie das Sentiment des Gesangs treffen hier stets den Ton, aus dem echtes Virtuosentum gemacht ist. Der Respekt, den Chubby seinem Vorbild hier in jeder Note erweist, verdient höchsten Respekt. Kurzum: Eine Reminiszenz an einen vermissten Himmlischen wie sie sein soll, muss: Göttlich – Up from the skies!!!
http://www.arte.tv/de/kunst-musik/summer-of-love/1592014.html
www.popachubby.com



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