Kult - 30.05.07 -

Cafe Deutschland 05/07 – Jörg Immendorff Nachruf, der Rap

Immendorf Selbstportrait mit Affe © flickr


Bunte Republik in Tristesse vereint zum Adé,
zum Abschiedskaffee, schwarz statt au lait.
Am Stammtisch die alten Wilden – ein Winseln.
in ihren Tassen, können es noch nicht fassen
das Bild vom Verlassen, vom Verblassen,
dass der Wegbegleiter von ihnen geschieden.


Nach dem Krankheitskrieg nun endlich Frieden,
die Ruhe nach der stürmischen Schöpfungskraft,
die nie völlig entnervt war bis zum letzten Akt,
sich wehrte und verzehrte in Leiden, das schafft.

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Im Cafe Deutschland füllen sich die Stühle,
nur hinten ist Platz für sentimentale Gefühle,
für pathetische Trauermienen, -gesten.
Ganz vorn bei den illustren Ehrengästen,
den Freunden, Malern, Denkern, Dichtern
tragen alle lieber klare Rebellengesichter
als so falsche Fratzen wie die Kritikaster,
die in der Lust nie mehr sehen als Laster.

Das würde dem Meister posthum noch gefallen,
wenn Konvention und Vision aufeinander prallen,
wenn die Mauern in Köpfen und Herzen zerfallen,
Patina aufwirbeln und als Farbrausch widerhallen,
Wenn da ein echter Widerstand zum Besseren wäre,
das gereichte seiner Kunst, seinem Wesen zur Ehre.

Und so zieht Vater Beuys seinen Filzhut leise.
Aus der Matratzengruft winkt Heine zur Reise.
Brecht würdigt den Mut ALS “Vater Courage”.
Studenten als Menschen-Art-Collage-Hommage.
Der rote Gerhard in Gold, einst Gevatter Hartz
trägt zum Abschied schlichtes Halbmast-Schwarz.
Veronika verhüllt diskret ihr pralles Dekolleté,
von Ferne Hans Albers Stimme: La Paloma adé.
Odas Augen verdunkeln sich, füllen sich schnell,
eine traurig-schöne Skizze, verwischtes Aquarell.

Nur das Dorf an der Düssel bleibt wie stets provinziell,
die Stadt macht auf Staat, gibt sich zum Schein kulturell.
Herr Professor Bürger Künstler würde gern in Würde gehen,
doch Bürgermeisters feiste Zähne sind nicht zu übersehen,
so bleibt ihm ein letzter Zug durch die Gemeinde Petit Paris,
vom Rhein die Ratinger entlang, Final-Fanal bis zur Akademie.

Wen interessiert nun noch die Schlagzeile Hotel Kokain,
das Leben mit, auf der Kippe, das zu Huren niederknien?
Fresse Presse !!!, Skandaldealer, Neid geplagte Spötter.
Er hat das Atemlos gezogen bei der Tombola der Götter,
ins ewige Weiß geht er ein auf der Wand aus Leinen,
dort ruhen alle Nervenenden bis auf den großen einen,
der bleibt, um alle Schwarz-Weiß-Malereien zu enthüllen -
Immendorffs Sehnerv – bunter, freier, ungebrochener Wille.

© Thomas Schubert, 30.05.2007


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